Wart ihr schon mal bei einer Lesung?
In einem von diesem typischen kleinen Prenzlberger-Cafés? Karge Wände, kaum Einrichtungen aber viele weiche, zum Versinken einladende Sitzmöglichkeiten. Ein einfacher Tresen und sonst irgendwo versteckte Toiletten, die ich mich nicht getraut habe zu inspizieren. Wenn es Bauhaus-Stil gibt, dann nenne ich das mal Baustelle-Stil…
Interessant war die Art Tribüne im hinteren Teil des Cafés, auf welcher wunderbar viele Kissen lagen, auf denen wir es uns dann natürlich dank frühzeitigem Erscheinen und dementsprechend relativ freier Platzwahl, gemütlich machten.
Dem frühzeitigen Erscheinen verdanken wir wahrscheinlich auch den kostengünstigen Genuss der Lesung. Als wir ankamen lief noch der Aufbau der Lesung und der herkömmliche Café-Betrieb also setzen wir uns erstmal und als der Kellner kam und wir ihn fragten, was die Lesung denn nun kosten solle, da online nichts dazu zu finden war, sprach dieser von 8 € pro Person, welche gleich von den Veranstaltern eingesammelt werden würden. Vom Preis überrascht genossen wir erstmal unsere ebenfalls überteuerten Getränke und harrten da der Geld-Eintreiber. Und warteten…

In dem sich stetig füllenden Café sahen wir noch, wie zwei Damen sich daran machten am Eingang fortan den Eintritt zu kassieren und jedem Gast eine Begrüßungssektflöte überreichten. In Aussicht auf des nun wohl für uns um 8 € günstigeren Eintrittspreises, sahen wir davon ab unser Recht auf eine dieser prickelnden Musikinstrumente kund zu tun.
Mit erleichterten Gemüt und zum Glück weniger erleichterten Geldbörsen genossen wir also die Lesung!

Nachts sind alle Katzen geil!
Ein interessanter Name für ein Lesung erotischer Texte, welche aber nicht weniger amüsant waren. Die Wörter ließen ihre Scham fallen und auch die Leser schienen viel Spaß beim zitieren der feucht-fröhlichen Texte zu haben. Es gab eine Geschichte eines intriganten Parfüms mit Nebenwirkungen, Ausschnitte aus einer Studie über Unfälle beim Masturbieren mit einem Kobold-Staubsauger der Marke Vorwerk, eine Lesung einer offenkundig zügellosen Dozentin über Gender Studies und ein kleines Rollenspiel mit Live-Vertonung durch die Gäste über die Schmach des passiven Zuhörers, der dank dünner Wände gezwungen ist, das mehr oder minder fremde Paar beim Schäferstündchen zu belauschen.
Zwischen den überschwänglichen Geschichten trat auch eine zierliche Burlesque-Tänzerin auf, welche mit ihrem kecken Hüftschwung und den verspielten Blicken einiges an Beifall und vereinzelte ermunternde Pfiffe erntete. Die roten Haare und feinen Dessous taten ihr Übriges…

Das ganze Spektakel war natürlich später zu Ende als angesagt und dementsprechend schnell – auch um möglichst nicht mehr in die Falle, eines uns und des ihm fehlenden Geldes Gewahr werdenden Veranstalters zu laufen – verließen wir das Café und traten in den stetig fallenden Schnee…

Alles in allem hatten meine Freundin und ich sehr viel Spaß und noch mehr zu lachen!
Ich könnte mir eine Lesung kaum schöner vorstellen, als mit dem Partner im Arm solch frivolen Witz zu lauschen!


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