Jun 302008
 

Der Morgen war kalt. Ausgesprochen kalt.
Doch dies war von belangloser Banalität im Gegensatz zu den anderen Problemen die er hatte. Das kleine Lagerfeuer, was er schnellzusammengesammelt hatte, um der Kälte wenigstens etwas strotzen zu können, brannte ruhig vor sich hin. Kein Wind störte die Morgenruhe und nur von der nahegelegenen Stadt drangen vereinzelte Geräusche der ersten aufwachenden Menschen zu seiner Lagerstätte herüber. Mittlerweile hatte selbst sein unfreiwilliger Begleiter das Rumgezerre an den Fesseln aufgegeben und schien zu schlafen. Und genau das war das Problem!
Dieser kleine Dreckssack dort drüben mit Knebel und Augenbinde sollte eigentlich schon längst tot sein. Dass er immer noch am Leben war, war einzig und allein sein Fehler. Wie konnte es dazu kommen?
Vor ungefähr 24 Stunden war er noch unterwegs durch dunkle Gassen einer ihm unbekannten Stadt auf den Fersen des nun gefesselt vor ihm Liegenden. Es war ein Auftrag wie jeder andere. Er sollte dieser Person habhaft werden und sie dann auf diesen Hügel bringen und “stummstellen” wie der Meister es immer nennt.
Bis dahin auch kein Problem! Alles lief wie geplant und zu mindestens keine Probleme von außen.
Er hatte das Opfer bis in die örtliche Schänke verfolgt und beobachtete ihn nun über den Rand seines nur als Alibi dienenden Kruges. Das Opfer hatte sich einen der zentralsten Plätze ausgesucht und bald nach Eintreten ein Kartenspiel mit einem der anderen Niederen angefangen. Natürlich spielte keiner von beiden fair. Aus der Ferne einiger Tische konnte er gut erkennen, wie sich beide Karten unterhalb ihres Tisches gebunkert hatten. Doch diese Frevel waren für ihn nicht von Belang. Er hatte gänzlich andere Gründe des Opfers habhaft zu werden. Der einzige Grund, warum er noch nicht zugeschlagen hatte, war einen besseren Moment abzuwarten, um möglichst wenig Zeugen zu haben, die er nur ebenfalls noch zu beseitigen haben würde.
Das maßlose Spiel in der Wirtsstube zog sich beachtlich in die Länge und seine Geduld wurde auf eine gehörige Probe gestellt. Als er schon beinah dazwischen gehen wollte, sprang der zweite Spieler auf einmal auf, blickte erzürnt auf seinen Kontrahenten nieder und stapfte dann ohne ein weiteres Wort aus der Gaststube. Das Opfer grinste leise in sich hinein und sammelte Karten und das gewonnene Gold, welches überall auf dem Tisch verstreut lag, ein und ließ beim Gehen dem Wirt noch ein angemessenes Trinklied liegen. Ein fröhliches Liedchen vor sich hin pfeifend, trat er auf den Weg vor dem Haus.
“Einen Moment soll er den Abend ruhig noch genießen.” Nachdem er glaubte seiner Beute einen ausreichenden Vorsprung gelassen zu haben, stand der Jäger auf, bezahlte natürlich sein Getränk, an dem er eh nur genippt hatte und begab sich ebenfalls in aller Herrenruhe auf die Straße. Es bestand keine Gefahr sein Opfer zu verlieren; dem Gestank nach abgestandenem Bier war nicht aus dem Weg zu gehen. Außerdem konnte er den Beutel voller Goldstücke, den der Gewinner bei sich trug, in der Ruhe der nächtlichen Stadt gut vernehmen
Als das unterschiedliche Duo an dem wahrscheinlich dunkelsten Ort der Stadt angekommen war, beschloss er es wäre endlich Zeit zur Tat zu schreiten.
Als er sich nun weiterbewegte, war er für ein ungeübtes Auge kaum noch auszumachen. Er verschmolz förmlich mit den Schatten am Wegesrand; eine der vielen nützlichen Fähigkeiten, die er vom Meister erlernt hatte. Er huschte an dem Opfer vorbei ohne dass dieses ihn bemerkte und versteckte sich in einem Hauseingang, an welchem es vorbeikommen würde. Sein Atem wurde flacher und gleichmäßiger und er vermied jede Art von Bewegung. Als das Opfer direkt neben ihm war, schlug er mit Mittel- und Ringfinger zu. Er stach direkt in die Halsschlagader worauf das Opfer bewusstlos in sich zusammensackte. Er fing den nun leblosen Körper behutsam auf, um niemanden durch unnötige Geräusche anzulocken. Die gesamte Aktion hatte kaum mehr als eine Minute gedauert seitdem sie beide in die Gasse eingebogen waren.
Nun kam der eigentlich schwere Teil! Es galt das Opfer an den vereinbarten Treffpunkt zu bringen ohne von den Stadtwachen oder sonst einem zu hilfsreichen Bürger bemerkt zu werden. Doch auch hier konnte er sich die späte Stunde zu Nutze machen. Er hievte sich einen Arm seines Opfers über die Schulter und versuchte dann es nicht allzu auffällig durch die Straßen zu zerren. Das Schwierige dabei war seinen Nebenmann so aufrecht zu halten, dass es einigermaßen so aussah als würde er laufen, wenn auch sehr humpelnd. Er war doch immer wieder erstaunt, wie viele Menschen das für glaubwürdig hielten aber wahrscheinlich liegt es meisten eher daran, dass diese ebenso betrunken sind, wie sein jüngstes Opfer.
Durch die Gassen und kleineren Straßen kam er so unbehelligt doch als er gerade die Stadt über den Marktplatz verlassen wollte, hörte er eine Stimme hinter sich.
“Hey, brauchen die Herren vielleicht Hilfe?”
Innerlich zuckte er zusammen, doch äußerlich ließ er sich nichts anmerken und drehte nur den Kopf in die Richtung aus der die unerwünschte Unterstützung kam. Dort erblickte er eine der Stadtwachen, welche sich wahrscheinlich genötigt sah zum Ende des Tages noch einmal eine gute Tat zu vollbringen.
“Nein, keen Probleem! Wi kommn scho zurech!”
Er versuchte etwas zu lallen um dem Ganzen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen. Die Wache trat näher und jetzt konnte er sie genauer erkennen. Sie schien noch recht jung zu sein, wahrscheinlich ein Jüngling, der sich in seiner patriotischen Pflicht berufen sah, der Stadt und ihre Bewohner mit allen Mitteln zu helfen. Die Jugend sollte zu dieser Uhrzeit doch lieber ihren Schlaf genießen, denn die meisten von ihnen haben ihn auch noch nötig. Der Knabe warf noch einen Blick auf das seltsame Paar, schien dann aber einzusehen, dass sie es beide auch ohne ihn schaffen würden.
Mit einem leichten Gähnen und sich schon weg drehend, meint er noch: “Ist gut, wenn die Herren keiner Hilfe benötigen! so will ich mich dann auch alsbald zur Ruhe begeben!”
“Ja, mach du nur endlich!” wollte er ihm beinahe hinterher rufen, doch stattdessen schulterte er seine Last wieder fester und machte sich daran auch noch die letzten Meter aus der Stadt heraus zu bewältigen. Draußen angekommen konnte er seinen Ballast endlich angenehmer tragen und so waren die letzten Meter auf den Hügel am Waldrand nicht mehr schwer zu bewerkstelligen.

Und hier saß er nun. Das kurz nach der Ankunft aufgestellte Lagerfeuer stand mittlerweile kurz vor dem Ende; wie das Opfer, welches vollkommen verwirrt und unwissend mit seinem Blick mal zu ihm und mal zur Stadt schaute, als erwarte es von dort Rettung. Dolch solche würde nie auftauchen!
Im Gegenteil!
Tatsächlich sollte er das Opfer schon längst umgebracht haben! Doch wieso hatte er es noch nicht getan? Nicht dass er es nicht gekonnt hätte; es wäre ihm sogar sehr leicht gefallen, beinahe schon zu leicht. Doch irgendetwas riet ihm davon, ab diesen wichtigsten Befehl seines Meisters zu befolgen.
War genau dies jetzt eingetreten? Sah er auf einmal mehr in seinen Opfern als eben solche?
Bisher waren sie einfach nur Mittel zum Zweck, die es für seinen Meister zu besorgen galt. Er hatte sie nie mehr Blicken als nötig gewürdigt, geschweige denn sich mit ihnen unterhalten. Und nun fing es damit an, dass er sie nicht wie befohlen töten konnte.
Der Meister würde gar nicht erfreut sein!
Es kam einem Verrat gleich die Befehle des Meisters nicht korrekt zu befolgen. Aber hatte er ihm nicht immer treu gedient? All seinen Befehle gehorcht, egal, was der Meister verlangte?
Und nun wurde er plötzlich abtrünnig und konnte das Opfer nicht töten!
War es der traurige Blick, der ihn all die Stunden angeschaut hatte, nichtwissend warum er hier war aber dennoch nicht müde nach Erlösung zu betteln?
Warum tat es das? Warum gab es nicht einfach auf und gab sich seinem Schicksal hin so wie er es vor Jahren schon getan hatte? Wie viele Jahre mag es jetzt schon her sein, dass der Meister ihn als sein Opfer nahm, ebenso wie er jetzt dieses hier? Vielleicht sind es genau all diese Jahre, die ihn haben mürbe werden lassen; müde von jenen Freveltaten, zu denen ihn sein Meister immer wieder zwang.
Doch war es nicht genau jene Gnade, die sein Meister ihn hatte erfahren lassen, als er ihn als Opfer gefangen hatte, die ihn vor dem sicheren und sehr schmerzvollen Tod bewahrt hatte?
Auch sein Meister hatte ihn verschont, obwohl es anfangs sehr danach aus sah, als wäre sein Leben dem Ende nahe. Er hatte ihm nie verraten warum und nun ließ er sich seine Opfer bringen. War der Meister nicht mehr selber imstande einen Menschen zu entführen? Hatte er ihn deshalb als seinen Jünger erwählt?
Doch wie kam er überhaupt dazu die Gründe seines Meisters anzuzweifeln? All dies war nicht von Belang! Einzig und allein von Relevanz war zurzeit, wie sein Meister auf sein Verfehlen reagieren würde. Würde er ihn nur bestrafen oder gleich töten, wie er es mit dem Opfer hätte tun sollen?
All diese Fragen konnte er nicht beantworten, doch die Antworten kamen schon den Hügel hinauf. Am Waldrand erschien eine Gestalt, welche dort erst verharrte und dann, um den Hügel zu besteigen, vollends aus dem Schatten trat.
Der Meister war groß und hager. Auf den ersten Blick würde man ihm nicht glauben, welche Kräfte er entwickeln konnte. Doch schon an seiner Gangart erkannte der geübte Beobachter eine gewisse Überlegenheit. Jeder Schritt des Meisters schien sagen zu wollen “Ich bin der Boss!”. Er bewegte sich mit einer Geschmeidigkeit, die von erheblicher Körperbeherrschung zeugte. Und zwar genau auf das kleine Lagerfeuer zu!
Vor der Feuerstelle angekommen hielt der Meister an, schaute auf seinen Sprössling hinab und sein Blick bohrte sich unerbittlich in dessen Augen.


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  9 Responses to “Das Opfer”

Comments (9)
  1. -belanglose banalität, das is ne dopplung, denn wenn etwas banal is dann isses belanglos
    -”Doch diese Frevel waren nicht von seinem Belang” besser: doch diese frevel waren für ihn nicht von belang
    - “Als er schon beinah dazwischen gehen wollte, sprang der zweite Spieler auf einmal auf, blickte erzürnt auf seine Kontrahenten nieder und stapfte dann ohne ein weiteres Wort aus der Gaststube” logikfehler, weiter oben haste gesagt, dass er nur gegen einen spielt^^
    - “Das Opfer grinste leise in sich hinein und sammelt Karten und das gewonnene Gold,” da fehlt nen e hinter sammelt ^^
    - “Einen Moment soll er den Abend ruhig noch genießen.” passt da der konjunktiv nicht besser?^^ wenn es die gedanken des protagonisten und beobachter sein sollen setz das in einen einfachen anführungsstrich^^
    -im nachfolge satz fehlt das t in glaubte
    - “der Gestank nach abgestandenem Bier nach war schwer zu übersehen” lösch das 2. nach^^ ansonsten.. gestank kann man nicht sehen ;P vllt sowas wie, der gestank nach abgestandenem bier war nicht aus dem weg zu gehen? ka, aber übersehen klingt komisch^^
    -”, um niemand durch unnötige Geräusche anzulocken.” besser: niemanden
    - es fehlen zwischendrin nen paar kommata
    -”wollte er beinahe ihm hinterher rufen, ” vertausche die wörter beinahe und ihm
    -”Dolch solche würde nie auftauchen!” knuffig, suche den fehler :) ich liebe solche fehler XD
    - “Warum tat es dies?” tuts nen einfaches das nicht auch? Oo warum immer so förmlich.. so… hochgestochen, geht aufn senkel nach ner zeit.
    -”Er hatte ihm nie verraten und nun ließ er sich seine Opfer bringen.” was hat er ihm nie verraten, wer hat wem was verraten, was hat der 2. hauptsatz mit dem ersten zu tun? unklarer satz
    - schon wieder son hochgestochener satz, die schwierig im lesefluss sind: “Einzig und allein von Relevanz war zurzeit” stells doch einfach um als: relevant war zurzeit einzig und allein, wie sein meister usw
    -”, schaute auf seinen Sprössling hinab und sein Blick bohrte unerbittlich sich in dessen Augen.” vertausche unerbittlich und sich

    ansich solide story, gut geschrieben. auch interessant!
    was ich nicht sonderlich mag ist, dieses hochgestochene, ist anstrengend auf dauer, da wörter und wortgruppen verdreht sind wie heutzutage kein mensch mehr was sagt… ka vllt is es auch unbeabsichtigt von dir :P ansonsten.. hm.. naja nen paar zeitensprüne. und fehlende kommata erschweren das verständnis (zumindest meins) in kombination mit der etwas “höheren” artikulation das verständnis nochmehr.. aber: du kannst schreiben, und ich will dass du deine andere story mal weiterschreibst du nuss! ;P

  2. So, fast alles Fehler berichtigt!
    Außer deine erste Anmerkung und das “Suche den Fehler”-Rätsel konnte ich auch nich lösen… achja, und die fehlenden Kommata zu finden war ich jetzt auch zu faul! ;-)

  3. Irgendwie fehlt mir ein Schluss oder eine Fortsetzung.
    Du baust auf einen großen Klimax hin und genau an der Stelle endet die Geschichte.
    Schade, weil die Geschichte echt rockt.

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