Prolog

“Fahr nicht so schnell! Ich will nicht sterben, bevor wir da ankommen.”
“Hey, auf dieser Straße ist wahrscheinlich schon seit Jahrzehnten niemand mehr gefahren und der Asphalt freut sich über ein wenig Schmerzen. Was soll also schon passieren?”
Er legte in beruhigender Absicht seine rechte Hand auf ihren Arm doch schien dies die gewünschte Wirkung zu verfehlen: “Nimm sofort wieder deine Hand ans Lenkrad!”
“Ist ja gut, Schwesterchen!” Eilig legte er seine Hand wieder zurück und versuchte sich auf den Weg zu konzentrieren. Bei Betrachtung dieser Straße schien es immer wahrscheinlicher, dass er mit seiner vorherigen Bemerkung recht gehabt hatte. Sie war in einem derart schlechten Zustand, dass sich selbst in den Schlaglöchern noch Schlaglöcher befanden. Diesen und all den Steinen auf der Fahrbahn ausweichend fuhren Mike und Liz Caine immer Richtung Westen.
“Also in Washington waren die Straßen wenigstens noch befahrbar.” Nachdem Liz ein paar Minuten den masochistischen Asphalt angestarrt hatte, brach sie das Schweigen. Sie war einfach nicht die Person, die lange still sein konnte. Mike hielt es nicht für notwendig darauf zu antworten und konzentrierte sich weiter darauf den angreifenden Schlaglöchern auszuweichen.
Beinahe zwei Stunden fuhren sie jetzt schon unablässig immer die eine Straße entlang und waren seit Baltimore durch keine größere Stadt mehr gekommen. Immer karger wurde die Landschaft und wo anfangs wenigstens noch vereinzelte Häuser am Straßenrand standen, wurden diese jetzt durch trostlose Felder und der Verrottung verdammten Wälder ersetzt.
“Da erhalten wir endlich mal ein Lebenszeichen von Mutter und dann schickt sie uns in solch eine Gegend!” Auch Mike ertrug das Schweigen indes nicht mehr. Es war selbst ihm zu still da seltsamerweise das Radio keinen Empfang mehr hatte. Nur noch statisches Rauschen drang aus den Boxen des Autos, welches aber zeitweise an- und abzuschwellen schien. Wahrscheinlich war dies nur der wechselhaften Bewölkung zuzuschreiben, wie Mike sich dachte.
Liz hatte langsam genug von der Einöde und den Bäumen, die sie zu verfolgen schienen: “Wie weit geht diese Straße eigentlich noch? Wir müssen doch irgendwann da sein!”
“Keine Panik!”, Mike wandte sein Gesicht nach Rechts während er mit ihr sprach, “Weit kann es nicht mehr sein. Laut der Karte müsste gleich der Tunnel kommen und dann ist dort…”
Weiter kam er nicht, denn auf einmal schrie Liz laut “Pass auf!”, versuchte das Lenkrad zu greifen und während Mike seinen Kopf wieder schnell nach vorne richtete, sah er einen riesigen Berg aus undefinierbaren Gegenständen den weiteren Verlauf der Straße versperren. Davon erschrocken griff er ebenfalls hast an den Lenker und verdrehte ihn soweit möglich, um diesem Hindernis auszuweichen. Der Wagen geriet sofort ins Schlingern. Alles drehte sich um die beiden in Panik geratenen Insassen und alles außerhalb der Scheiben verschwamm alles zu einem homogenen Farbgemisch. Das außer Kontrolle geratene Gefährt schien gar nicht mehr stoppen zu wollen aber nach einem Moment des absoluten Pandämoniums gab es einen starken Ruck und alles hörte auf durcheinanderzuwirbeln. Beide Passagiere wurden von der Fliehkraft ihrer Kräfte beraubt nach vorn geschleudert. Die Sitzgurte, die sich an ihre von der Industrie versprochene Aufgabe erst zu spät zu erinnern schienen, zogen die beiden an sie Geketteten hart wieder in die Sitze zurück.
Nach dieser unfreiwilligen Autoscooter-Fahrt entsprechend durchgeschüttelt, brauchten beide Insassen eine Weile bis sie wieder bei vollem Bewusstsein waren.
“Gottverdammt, ich fühle mich wie James Bonds Martini – Shaken, not stirred!”, Mike war der erste der nach ein paar Momenten wieder klar sehen konnte, “Und was bist du? Eine Bloody Mary?” Er sah zu seiner Schwester hinüber und ihm blieb sofort die Luft weg. Liz lag vollkommen bewusstlos in den Sicherheitsgurten, war durch den Schwung stark nach vorne gebeugt worden und lehnte mit ihrem Kopf an der Frontscheibe des Autos. Ihr Gesicht wurde von ihren Haaren verdeckt aber an der Scheibe lief ein kleines Rinnsal Blut herab, wie um Mike seines Spruches wegen zu verhöhnen.
“Liz, verdammt, sag doch was! Das kann doch nicht wahr sein!”
Er nahm ihren Oberkörper und versuchte ihn wieder in eine aufrechte Position zu bringen. Als sie wieder an dem Sitz lehnte, sah er ihr Gesicht.

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Das Geräusch war allgegenwärtig. Es drang durch jede Ritze des porösen Gesteins und quälte jedes anwesende Ohr. Es war das Schaben von einer Klinge auf unebenem Beton. Ein enormes Messer wurde über den Grund geschleift und dabei verursachte es dank seiner Länge einen sehr unangenehmen Laut. Es war zu schwer, um es lange zu heben, selbst für diesen Hünen, der es hinter sich herzog. Rost überzog den gesamten Stahl aber dies beeinträchtigte keineswegs die Schärfe und Tödlichkeit der Klinge: Sie blieb auf wundersame Weise immer scharf.
Vor dem Geräusch und dem muskelbepackten Hüne flohen einige schattenhafte Gestalten. Düstere Umrisse, die sich immer außerhalb der Reichweite der todbringenden Klinge bewegten aber nie ganz außer Sichtweite kamen. Er folgte ihnen auf steten Fuß, kam aber nie näher als ein paar Schritte an sie heran, denn sie flohen immer wieder gewandt vor seiner Klinge. Sie schienen den Koloss in eine bestimmte Richtung locken zu wollen. Diese ganze Prozession bewegte sich auf einen gewiss nicht zufällig gewählten Weg durch die zerfallene Stadt. Das große Wesen bewegte sich für alle gut sichtbar mitten auf der Straße und wich nur von Zeit zu Zeit nach links oder rechts aus, um wieder einmal einem seiner Widersacher anzugreifen. Dabei schwang es sein Messer in einem weitem Bogen, um sich und die kleineren Gestalten wichen immer wieder in die umstehenden anscheinend schon seit Jahren leerstehenden Gebäude zurück.
Der Zug war nun schon seit einer geraumen Weile unterwegs und es war noch nicht erkennbar wohin der Weg sie führen würde.
Gewiss war nur, dass dieser für eine der beiden Parteien kein angenehmes Ende nehmen würde.

Fortsetzung folgt….


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  2 Responses to “Bluttrennung – Kapitel 1”

Comments (2)
  1. MEHR MEHR MEHR XD
    aber was hat der erste mit dem 2. teil zutun?

  2. hey…

    schlecht ist es doch nicht.mir gefällt es jedenfalls…:-)

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