Kontakte knüpfen am Lagerfeuer
Die Nacht ist dunkel, doch nicht leise. Ein helles Feuer wird begrenzt von einem Kreis aus Stimmengewirr. Das Gemurmel und Geplapper erhellt die Nacht auf eine andere Art und Weise als es Licht je könnte. Nimmt sich ein Außenstehender die Zeit, die Szenerie in Ruhe zu betrachten, sieht er verschiedene Haufen – haufenweise gute Gespräche, aber auch vereinzelte Häufchen des Elends.
Schaut der stille Beobachter genauer hin, erkennt er auch Besonderheiten in den Grüppchen. Es gibt die kleineren Gruppen, die sich angeregt und gleichmäßig über ein Thema unterhalten, sowie etwas größere Ansammlunngen, in denen die Einzelnen eher verschwiegen scheinen, aber jeder trägt seinen Teil zum Gespräch – oder was auch immer getan wird – mit kurzen Einwürfen bei. Dann wieder gibt es die, die Musik dem gesprochenen Wort vorziehen, die Gitarre oder Trommel hervorholen und ein Liedchen zur allgemeinen Unterhaltung aller anstimmen. Aber erst wenn der Blick auf die ruhigen Stellen im Kreis konzentriert wird, fallen die Herde der Stille auf, welche sonst eher im Geräuschpegel untergehen – ja, man könnte ihnen sogar unterstellen, dies zu beabsichtigen. Doch wer sind diese scheinbar Unscheinbaren?
Gehen wir zurück zum Gesamtbild!
Wir spielen den stillen Beobachter und betrachten eine Gruppe von drei Jungen und zwei Mädchen. Es hat sich eine Unterhaltung über die hiesige Verpflegung etabliert. Das Für und Wider wird zwischen den zwei Mädchen und zwei der Jungs abgewägt. Doch der Fünfte im Bunde scheint das sprichwörtliche fünfte Rad am Wagen zu sein. Kein Wort ist aus seinem Mund zu hören und mit den Händen im Schoss gefaltet, scheint er auf den erleuchtenden Gedanken zu warten, mit dem er die anderen nur so von ihren Bänken oder Holzstämmen hauen wird.
Schauen wir uns eine neue Szene an. Es wurde sich grad erst zusammengesetzt und die Unterhaltungsrunden beginnen sich erst aufzubauen. An manchen Stellen wird sich einfach zu bekannten Gesichtern gesetzt und dort angeknüpft, was man schon voneinander kennt. Doch oft ist nur noch ein Platz neben Mr oder Ms Unbekannt frei und man setzt sich dort mit hin. Nun hoffen sicherlich die meisten irgendwie den Anschluss an das bestehende Gespräch zu finden oder ein neues mit dem Nachbarn aufbauen zu können.Es gibt Menschen, denen fällt es leicht, sich zu öffnen oder öffnen zu lassen. Man spricht sich einfach an und fängt an zu erzählen, ob über Banalitäten oder sofort private Geheimnisse, ist solchen Menschen schnell egal, wenn man mit einem Unbekannten spricht. Diese Unterhaltungen neigen dazu schnell laut zu werden und andere mitzureißen. Man hört diesen energetischen Menschen gern zu und versucht alles aufzuschnappen, was sie von sich geben. Es sind einfach die typischen Charismatiker.
Doch was wäre Licht ohne Schatten?
Was machen die Menschen, denen es nicht so leicht fällt Unbekannte am Lagerfeuer anzusprechen?
Man kriegt sprichtwörtlich das Maul nicht auf, während man neben obiger Runde sitzt oder gar noch neben anderen Stillen und fragt sich immer wieder nur „Warum eigentlich?“.
Aber was wäre das Lagerfeuer, wenn nicht der Ort, um genau diese Probleme loszuwerden!
Hier gibt es Niemanden der allein sitzen muss, denn die Wärme auf dem Gesicht überträgt sich schnell auf das Gemüt und Herz und man fühlt sich in der Stimmung diese Wärme mit Anderen zu teilen. Man schaut sich um, wer ebenfalls schon rote Wangen hat, sucht andere Opfer der knisternden Lagerfeuer-Atmosphäre, um das Gefühl, welches einen von tief innen heraus erfüllt, teilen zu können.
Und dann schaut man über das Feuer und sieht ein davon erhelltes Gesicht, welches direkt zurückschaut, schaut in leuchtende Augen, spürt einen Moment den gegenseitigen Blick und erkennt: Da gibt es auch Redebedarf!
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