Weit, weit weg, in der Nähe der blauen Berge, in einem großen grünen Tal wuchs die Weiße Rose. Sie war unglaublich schön. Die weiße Knospe mit zärtlichsten Blütenblättern schlängelte sich wie eine Tänzerin im Wind. Auf dem festen Stiel waren viele Blätter, die zur Sonne geneigt waren.
Die Weiße Rose war fein, frisch und vergnügte sich unter den zärtlichen sonnigen Strahlen. Neben ihr wuchsen andere weiße Rosen, aber keine von ihnen könnte unserer Weißen Rose in Schönheit und dem Zauber auch nur annähernd das Wasser reichen. Die Weiße Rose war die schönste Blume im ganzen Tal.
Als Menschen, die vorbeikamen, die Weiße Rose sahen, blieben sie stehen und flüsterten entzückt: “Die Weiße Rose… Woher… Solche Schönheit..!” Sie betrachteten sie aus der Nähe, begeisterten sich… freuten sich über ihre Schönheit. Und später neigten sie sich noch niedriger zu ihr, ganz nahe an die Blume, damit sie das Aroma der Weißen Rose genießen konnten. “So eine Rose soll bestimmt ein ungewöhnliches Aroma haben”, dachten die Menschen. Aber die Rose duftete nicht. Überhaupt nicht. “Die echten Rosen duften”, dachte jeder, der in diesem Augenblick daneben stand. Die Leute versuchten, den Duft der Weißen Rose in der Luft zu ergreifen… Sie versuchten es von verschiedenen Seiten, versuchten ihren Duft von verschiedenen Abständen einzufangen Aber alles war vergeblich. Die Rose duftete nicht. Überhaupt nicht!
Es war so sonderbar, so ungewöhnlich, dass die Leute begannen, sie noch aufmerksamer zu beobachten und plötzlich bemerkten sie, dass über der weißen Rose keine Bienen flogen. Keine einzige Ameise kroch an ihrem Stiel, sogar die Schmetterlinge bevorzugten aus irgendeinem Grunde die benachbarten Blumen. Die Rose wuchs und blühte für sich. Sie hatte es nicht nötig, Schmetterlinge anzulocken, sie wollte nicht die Gattung fortsetzen.
“Es ist keine echte Rose! Sie ist nicht lebendig!”, dachten die Menschen und gingen enttäuscht und kopfschüttelnd weg.
So verging der Tag. Und noch ein Tag. Und wieder ein Tag… Tag für Tag gingen die Leute zu der schönen Weißen Rose, begeisterten sich für sie und gingen enttäuscht weg. Einige Zeit später beachtete niemand mehr die Weiße Rose…
Die Rose hatte Kummer
Sie dachte, sie sei lebendig und ihr war die Aufmerksamkeit der Leute angenehm. Doch niemand bewunderte sie mehr. Die Rose wurde in sich gekehrt und schloss sich. Die Zeit blieb scheinbar stehen für die schöne Weiße Rose.Doch einmal ging ein seltsamer Mensch vorbei, ein vollkommen neuer Mensch, sichtbar kein Bewohner des großen Tals. Er sah die Weiße Rose ebenfalls und im Entzücken setzte sich der Wanderer entzückt daneben. Er betrachtete sie. Genoss ihre Schönheit und die Frische. Die Rose wurde aufgemuntert und glättete sogar zart die Blätter, um noch schöner auszusehen. Und plötzlich sagte der sonderbare Mensch: “Welch entzückende ROTE Rose!” Er neigte sich zu ihr und roch an ihr. Danach sagte er ein paar Wörter über ihr wunderbares Aroma und über jene frohen und hellen Gefühle.
Plötzlich stand er auf und ging lächelnd weiter. Fröhlich ging er die kleine Straße nach unten. Die Nacht brach ein. Eine zauberhafte Nacht, weil in dieser Nacht etwas geschah.
Am Morgen sahen die Menschen, die der Straße in das Tal folgten, die helle Scharlachrote Rose auf dem Feld der weißen Rosen. Sie war wunderschön. So entzückend… So zart… Und sie verströmte einen atemberaubend schönen Duft. Und die Leute blieben einfach vor Entzücken stehen… Sie lächelten und standen lange lange daneben und betrachteten sie. Und dann gingen sie langsam, lächelnd, den Weg in das Tal entlang und drehten sich noch etliche Male nach dem scharlachroten Fleck auf dem Berg um.
Es war unsere Weiße Rose, die sich den Leuten schenkte
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